Kampf gegen Raubkopierer

In den USA wurden 20 Händler verklagt, die angeblich Office-Produkte illegal weitervertrieben haben sollen. In China gingen die Bildschirme vieler Benutzer aus, da sie eine über das Internet durchführte Gültigkeitsprüfung nicht bestanden haben. Der Bildschirmhintergrund färbte sich schwarz und ein Pop-Up warnte vor dem Gebrauch nicht lizensierter Software. Dies soll sich 45 Tage lang jede Stunde wiederholen. Allerdings soll der Gebrauch laufender Programme nicht beeinträchtigt werden und es kann danach wieder normal weitergearbeitet werden. Über Aktionen in Deutschland wurde nichts bekannt. Trotzdem sind illegale Kopien auch in Deutschland ein Problem. So ist zwar der der Anteil unlizenzierter Software 2007 um einen Prozentpunkt auf 27 Prozent zurückgegangen – immerhin entspricht dies Programmen im Wert von 1,33 Milliarden Euro, rund 30 Millionen mehr als im vorangegangenen Jahr – die Piraterierate liegt aber immerhin noch bei 27 Prozent.

2007 Rekordjahr für die Ermittlungsarbeit in Deutschland:
Steigerung um 150% Unternehmen in Deutschland haben im Jahr 2007 so viel Geld für den Einsatz unlizenzierter Software bezahlen müssen wie nie zuvor: Insgesamt 2,8 Millionen Euro mussten ertappte Lizenzsünder an Schadensersatz und Lizenzierungskosten (2006: 1,1 Mio. Euro) zahlen. Wie in den vergangenen Jahren auch stammte ein großer Teil (24 %) der untersuchten Unternehmen aus dem Agenturensektor (Marketing-, Werbungs-, Webdesign- und Grafikunternehmen) sowie aus dem Finanz-, Beratungs-, Rechts- und allgemeinen Dienstleistungsgeschäft (21 %). Der Erfolg des Ermittlungsprogramms der BSA liegt im immer engagierteren Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaften gegen Raubkopien begründet. Aber auch die kontinuierliche Informationsarbeit der BSA führte zu verstärkten Hinweisen auf den illegalen Einsatz von Software in deutschen Unternehmen.

Südliche Bundesländer weiterhin führend bei der Zahl der Fälle
Wie auch in den Jahren davor stammten die meisten Hinweise auf unlizenzierte Software, und damit auch die größte Zahl der Ermittlungsfälle, aus Baden-Württemberg und Bayern. Mit 21 % bzw. 20 % verdrängten sie damit das Land Nordrhein-Westfalen (17 %) vom ersten Rang bei den Fallzahlen.

Verlagerung der Softwarepiraterie bringt weltweiten Anstieg
Weltweit ist Softwarepiraterie deutlich auf dem Vormarsch: der Anteil unlizenzierter Programme (die sogenannte „Piraterie rate“) stieg um drei auf 38 Prozent an, der Umsatzausfall für die Hersteller kletterte um 8 Mrd. auf 48 Mrd. US-Dollar (USD). Dieser Trend liegt vor allem in einer Verlagerung des Phänomens Softwarepiraterie in Wachstums starke Schwellenländer begründet.
Das Marktforschungsinstitut IDC untersuchte 2007 zum fünften Mal in Folge im Auftrag der Business Software Alliance (BSA) die Entwicklung der Softwarepiraterie. Die „Fifth Annual BSA and IDC Global Software Piracy Study“ umfasst in diesem Jahr 108 Länder. Wie in Deutschland, so ist auch in vielen westlichen Staaten die Piraterie rate 2007 leicht gesunken, während der Umsatzausfall entweder sank oder stagnierte. EU-weit verringerte sich der Anteil raubkopierter Software von 36 auf 35 Prozent, die Schadenssumme sank trotz der Erweiterung des Staatenbundes um die beiden Staaten Bulgarien und Rumänien von 8,8 auf 8,5 Mrd. Euro. Mit Luxemburg, das in diesem Jahr zum ersten Mal untersucht wurde, hat die EU sogar das Land mit der weltweit zweit niedrigsten Piraterie rate überhaupt (21 Prozent hinter der USA mit 20 Prozent).
Die IDC zeichnet ein differenziertes Bild der weltweiten Entwicklung. Einerseits geht die Piraterie rate in 67 der untersuchten Länder zurück und steigt nur in acht an, gleichzeitig gewinnen diejenigen Länder, deren Piraterie raten besonders hoch sind – Schwellenländer, Entwicklungsländer und Märkte mit dynamischem Wachstum – an Gewicht. Ihr Anteil am IT -Umsatz steigt überproportional, und somit führen ihre immer noch hohen Piraterie raten zu einem Anstieg des weltweiten Durchschnitts. Dieser Effekt wird auch dadurch nicht gebrochen, dass Länder wie etwa Russland den stärksten Rückgang der Rate verzeichnen (von 80 auf 73 Prozent). Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) machen nun etwa ein Drittel des weltweiten Umsatzausfalls aus (14,4 Mrd. USD ), mehr als die Region Nordamerika (9,1 Mrd. USD) oder die EU (12,4 Mrd. USD).
„Zum Ende des Jahres 2007 waren weltweit über eine Milliarde PCs im Einsatz, und beinahe jeder zweite davon setzte Raubkopien ein“, erklärt John Gantz, Chief Research Officer der IDC. „Diese Studie zeigt, dass die Antipirateriemaßnahmen von Regierungen und Industrie in vielen Ländern erfolgreich sind. Sie werden ihre Aufmerksamkeit allerdings vermehrt dem Kampf gegen Raubkopien in stark wachsenden Märkten zuwenden.“

Die deutsche IT -Branche: Momentaufnahme und weitere Entwicklung
IDC schätzt, dass für jeden Euro, der für legale Software ausgegeben wird, zusätzliche 1,25 Euro für Dienstleistungen wie Installation, Schulung oder Wartung generiert werden. Da die meisten dieser Services lokal erbracht werden, ist dies ein Umsatz, der direkt einheimischen Unternehmen zugute kommt. Eine Studie vom Mai 2007 beziffert den Anteil unlizenzierter Software auf PCs in Deutschland mit 28 Prozent. Die BSA erachtet es daher als eine ihrer Hauptaufgaben kleine und mittelständische Unternehmen über die Risiken und rechtlichen Konsequenzen des Einsatzes unlizenzierter Software aufzuklären.

Die IDC analysierte im Zuge der Studie die Bedeutung des Wirtschaftszweiges IT im Jahr 2007 und prognostizierte seine Entwicklung bis zum Jahr 2011. So waren im vergangenen Jahr 554.000 Menschen in den vier Zweigen der IT-Industrie beschäftigt: 68.000 im Hardwaresektor, 47.000 im Softwaresektor, 258.000 im Dienstleistungsbereich und 181.000 in Handel und Vertrieb. Selbst bei gleich bleibender Softwarepiraterierate winkt hier vor allem der Softwarebranche mit einer jährlichen Wachstumsrate von 2,8 Prozent bis 2011 eine erfolgreiche Entwicklung. Noch stärker steigt dabei ihr Umsatz an: um jährlich 6,2 Prozent im Vergleich zu 5,3 Prozent in der gesamten IT-Branche. Die IDC benennt die Gesamtausgaben in Deutschland für Software im Jahr 2011 auf 22,1 Mrd. USD gegenüber 17,6 Mrd. USD im abgelaufenen Jahr.
Eine Studie der EIU hatte im Jahr 2007 bereits die wirtschaftlichen Voraussetzungen der IT-Branche in 64 Ländern verglichen. Deutschland liegt beim Vergleich von 64 Ländern hinter europäischen Nachbarn wie Großbritannien (Platz 4), Schweden (Platz 7), Dänemark (Platz 8) und der Schweiz (Platz 10) nur auf dem 16. Platz. Die deutsche IT-Branche bietet bis zum Jahr 2011 über 50.000 neue Arbeitsplätze und steigert ihren Umsatz von 76,3 auf 95,2 Milliarden US-Dollar (USD). Noch beeindruckender könnte diese Entwicklung sein, wenn es gelingen würde, den Anteil raubkopierter Software in Deutschland von derzeit 28 Prozent auf 18 Prozent zu senken: 12.300 zusätzliche Arbeitsplätze, 6,4 Milliarden USD zusätzlicher Umsatz und 1,9 Milliarden USD Steuereinnahmen wären das Ergebnis einer Senkung der Softwarepiraterie rate für PC-Software.

Folgen der Nutzung unlizenzierter Software
Der Erwerb oder der Einsatz von Raubkopien birgt für Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen eine Vielzahl von Risiken. Neben rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die eine Nutzung von illegaler Software nach sich zieht, erfährt der Endanwender aber auch praktische Nachteile:
• Gestörter Programmablauf oder vollständiger Absturz des Programms
• kein Kunden-Support
• Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche der Hersteller
• strafrechtliche Verfolgung
• kompletter Arbeitsausfall durch Hausdurchsuchung und Beschlagnahme
• rufschädigende Negativwerbung

So hat einem IT-Administrator der Zeitdruck im Beruf eine Haftstrafe von acht Monaten auf Bewährung eingebracht. Dieser sei nämlich – so der Administrator – der Grund dafür gewesen, dass er die Installationen ohne Lizenz vorgenommen habe. In Folge wurde die Spedition, für die er arbeitete, des Einsatzes von unlizenzierter Software auf über 200 Rechnern an Standorten in ganz Deutschland überführt. Das Unternehmen musste rund 200.000 Euro an Schadensersatz und für den Nachkauf der fehlenden Lizenzen zahlen. Die BSA hatte im Namen ihrer Mitglieder Strafantrag gestellt, nachdem ein ehemaliger Mitarbeiter der Spedition mit Hauptsitz in Süddeutschland einen Hinweis auf die illegale Software abgegeben hatte. Die Polizei hatte daraufhin in einer konzertierten Aktion alle Filialen der Firma gleichzeitig durchsucht und dabei mehrere hundert Raubkopien entdeckt.

Der Hinweis an die BSA war von einem ehemaligen ITMitarbeiter über die Website HYPERLIN K „http://www. bsa.de/“ www.bsa.de abgegeben worden. Nachdem die BSA gegen das Unternehmen Strafantrag gestellt hatte, entschloss sich die zuständige Staatsanwaltschaft zu der groß angelegten Durchsuchungsaktion, die zu einem Strafverfahren gegen mehrere Verantwortliche der Spedition führte. Der IT-Administrator räumte im Laufe des Verfahrens ein, dass er die Geschäftsführung nicht über die Notwendigkeit des rechtmäßigen Erwerbs der fehlenden Softwarelizenzen unterrichtet hatte. Er hätte unter großem Zeitdruck gestanden, weil ein weiterer Mitarbeiter erkrankt gewesen sei und er allein für die Lauffähigkeit des Netzwerkes zu sorgen hatte. Dies habe ihn veranlasst, Installationen vorzunehmen, ohne vorher entsprechende Lizenzen zu erwerben. Sein wissentliches Fehlverhalten führte nunmehr zu der verhängten Bewährungsstrafe. Die Schadensersatz Zahlung von EUR 200.000, die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und die Verpflichtung zum Nachkauf der fehlenden Lizenzen waren Gegenstand einer außergerichtlichen Einigung der Spedition mit der BSA. „Ein IT-Verantwortlicher darf sich nicht in die Situation bringen, durch illegale Handlungen sein Unternehmen und sich selbst dem rechtlichen Risiko unlizenzierter Software auszusetzen“, kommentiert Georg Herrnleben, Director Zentral- und Osteuropa der Business Software Alliance. „Es ist nur eine trügerische Kostenersparnis, die ihn oder die Geschäftsführung im schlimmsten Falle vor Gericht bringen kann. Es ist ein Bruch mit dem professionellen Arbeitsethos, über den wir mit unserer Arbeit aufklären.“ Im Jahr 2007 haben Unternehmen in Deutschland rund 2,7 Millionen Euro an Schadensersatz und Lizenznachkaufkosten an die BSA und ihre Mitglieder gezahlt. Die Gesamtsumme der Zahlungen innerhalb der EU lag im ersten Halbjahr 2008 bei umgerechnet rund 5,4 Mio. Euro in 179 verschiedenen Fällen.

Immense Schäden durch Raubkopien
Auch wenn ein einzelnes raubkopiertes Office-Paket scheinbar wenig Schaden anrichtet, sind die Auswirkungen für Staat, Unternehmen und Privatpersonen in der Summe immens. Dies zeigt eine Studie des Analystenhauses IDC im Auftrag der Business Software Alliance (BSA), laut der jedes vierte in Deutschland eingesetzte Software-Produkt eine Raubkopie ist. „Würde es gelingen, den Anteil an illegal kopierter Software in Deutschland um zehn Prozent zu senken, könnten einer IDC-Studie zufolge etwa 12.300 neue Arbeitsplätze geschaffen, 6,4 Milliarden US-Dollar zusätzlicher Umsatz erwirtschaftet und 1,9 Milliarden US-Dollar Steuereinnahmen generiert werden – allein in Deutschland“, erklärt Georg Herrnleben, Direktor Zentral- und Osteuropa der BSA.
Neben den wirtschaftlichen Schäden birgt die Verwendung von vermeintlich günstigen Software- Fälschungen auch weit reichende Gefahren sowohl für Unternehmen als auch für Endkunden: Bei der Installation von raubkopierten CD s oder dem Download von Raubkopien aus dem Internet ist man vor Viren und Trojanern nicht gefeit. Diese führen zu den bekannten Folgen: Systemschäden, Datenverlusten und Diebstahl persönlicher Daten.

Neue Wege: Mit niedrigerem Preis gegen Raubkopierer
Einen neuen nutzerfreudlichen Weg beschreitet Microsoft. Laut einer neuen, von Microsoft beauftragten Studie erklärt die Hälfte der Raubkopierer, dass günstigere Preise sie von der Nutzung illegaler Microsoft Office-Produkte abhalten könnten. Die derzeitige Preisentwicklung für die Microsoft Office Home & Student Edition entkräftet das Hauptargument vieler Raubkopierer, dass Original-Produkte zu teuer sind. Einige Händler bieten beispielsweise das Microsoft Office-Paket Home & Student Edition zurzeit für unter 80 Euro an.
Die durch Raubkopieren verursachten volkswirtschaftlichen Schäden werden laut der Untersuchung erheblich unterschätzt. 64 Prozent der unter 35-Jährigen in Deutschland benutzen eine unlizenzierte Microsoft Office-Version. Dies ergab eine Studie im Auftrag von Microsoft, an der sich 500 Personen sowie 304 Unternehmen verschiedener Branchen und Größen beteiligten. Dabei gilt der Preis als Hauptargument fum6;r die Nutzung von illegalen Kopien. Die Hälfte der in der Studie identifizierten Raubkopierer gab an, dass billigere Preise sie von der Nutzung illegaler Microsoft Office-Produkte abhalten könnten. 89 Prozent aller Befragten nannten eine „signifikante Preissenkung“ für Originalsoftware als erfolgversprechende Maßnahme, um Nutzer von nicht lizenzierter Software zum Erwerb einer legalen Version zu bewegen.

„Die derzeitige Preisentwicklung bei unserer Office Home und Student Edition nimmt Raubkopierern, die Microsoft Office privat nutzen, den Wind aus den Segeln“, erklärt Achim Berg, Geschäftsführer der Microsoft Deutschland GmbH. „Wir gehen davon aus, dass nun verstärkt illegale Versionen durch legale ersetzt werden“, so Berg weiter.

Die Studie zeigt außerdem, dass die negativen Auswirkungen der Software-Piraterie unterschätzt werden. Nach Meinung von zwei Dritteln der befragten Studienteilnehmer (69 Prozent) gehen Raubkopierer davon aus, dass die Folgen ihres Handelns nicht gravierend sind. Weiterhin belegt die Studie, dass es 90 Prozent der Raubkopierer durchaus bewusst ist, dass sie eine Straftat begehen, die zumindest mit Bußgeld geahndet werden kann. Auch mögliche moralische Bedenken können Software-Piraten nicht von ihrem Handeln abhalten, denn das Unrechtsbewusstsein ist gering: Nur rund ein Drittel der Studienteilnehmer kann sich vorstellen, dass das schlechte Gewissen ein Grund sein könnte, illegale Software nachträglich zu lizenzieren.

Quelle: Profiler Link

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