Telekom kontra TV-Kabel - Unitymedia kontra DSL

Viel Wettbewerb und Pläne beim Breitband-Internet

Medienberichten zufolge greift sowohl die Deutsche Telekom dieKabelnetzbetreiber in ihrem Stammgeschäft an als auch der Kabelnetzbetreiber Unitymedia zum Kampf gegen die klassischenTelekommunikations-Anbieter rüstet. Die Deutsche Telekom will nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) Unternehmen wie Kabel Deutschland aus lukrativen Rahmenverträgen mit Wohnungsgesellschaften zu drängen. "Wir sehen die Wohnungswirtschaft als ein Wachstumssegment", sagte Thomas Berlemann, Telekom-Vertriebschef für Deutschland, der FTD. Das Kabelgeschäft mit den Wohnungsgesellschaften beherrschen bislang die großen Anbieter wieKabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW sowie dutzende kleinere Kabelbetreiber. Die Unternehmen schließen dabei langjährige Verträge mit Wohnungsgesellschaften ab und versorgen Mietwohnungen mit TV-Signalen. Mieter zahlen dafür über ihre Nebenkosten je Monat 8 bis 10 Euro und damit deutlich weniger als beispielsweise Eigenheimbesitzer.

Das Kundenpotenzial in diesem Segment ist groß: Allein der Branchenverband der Wohnungsgesellschaften GdW umfasst den Angaben zufolge 6 Millionen Mietwohnungen. Der Verband vertritt 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland. Zum Vergleich: Die Telekom zählte Ende vergangenen Jahres 1,2 Millionen Entertain-Nutzer.

Telekom plant ein "TV-only"-Angebot

Telekom und Kabelbetreiber überschneiden sich seit langem in ihrem Angebot. Der Konzern drängt mit seinem kombinierten Telefon-, Internet- und Web-TV-Angebot Entertain in das TV-Geschäft, die Kabelnetzbetreiber vermarkten dagegen erfolgreich Internetzugänge und Telefonie.

Für ihre neue Attacke hat die Telekom ein spezielles Angebot entwickelt, das den Kunden auch technisch entgegenkommen soll. "Wir wollen erst einmal die TV-Grundversorgung sicherstellen", sagte Berlemann der FTD. In Wohnungen könnten Nutzer künftig das TV-Signal, wie bei der Konkurrenz, aus den Kabelnetzsteckdosen beziehen. Bislang lief das Fernsehsignal stets über das herkömmliche Telefonkabel. Zudem konnten Nutzer Entertain bisher nicht kaufen, ohne gleichzeitig einen Internetzugang bei der Telekom zu mieten. Mit diesem Paket wirbt der Konzern derzeit bei Wohngesellschaften mit auslaufenden Verträgen sowie bei neuen Wohnanlagen, die Ausschreibungen starten.

Unitymedia legt Fokus auf das Geschäft mit Internetzugängen

Unitymedia drängt in die erste Reihe der Internetanbieter. Mit verschiedenen Initiativen und einer Markenkampagne will der neue Chef des Kabelnetzbetreibers den Abstand zu großen Telekomunternehmen verkürzen. Der Kabelnetzbetreiber mit Sitz in Köln ist seit 2009 ein Tochterunternehmen des US-Milliardärs John Malone. Der Manager will groß in den deutschen Markt einsteigen und hat Ende März auch den Unity-Konkurrenten Kabel BW für 3,16 Milliarden Euro gekauft. Die Übernahme und der wohl geplante Zusammenschluss von zwei der drei größten Kabelnetzbetreiber in Deutschland muss noch von den Wettbewerbsbehörden geprüft werden. Schüler wollte sich daher nicht zu den Plänen äußern.

Das Internetgeschäft ist ein zentraler Punkt in Schülers Wachstumsstrategie. Schnelle Leitungen zu günstigen Preisen sind das wichtigste Lockmittel der Kabelnetzbetreiber, um Kunden für Pakete aus Internet, Fernsehen und Telefonie zu werben. Diese so genannten Triple-Play-Angebote sind für Kunden und Anbieter gleichermaßen attraktiv. Telekommunikationsanbieter spüren bereits den Druck der Konkurrenten. Bei Neukunden können die Kabelanbieter immer größere Anteile für sich verbuchen.

Kabelanbieter startet Offensive gegen Telekom und Vodafone

"Wir stehen in direktem Wettbewerb mit Marken wie Deutsche Telekom oder Vodafone", sagte Lutz Schüler der Financial Times Deutschland. "Wenn Kunden an einen Internetanbieter denken, denken bisher nur zwei von zehn Leuten an Kabelanbieter." Um dies zu ändern und auch mehr der aktuell 4,5 Millionen Unitymedia-Kunden als Internetkunden zu gewinnen, plant Schüler eine Reihe von Initiativen. "Wir benötigen mehr Läden", sagte der Manager, der Anfang 2011 auf den Chefposten gewechselt ist. In seinem Verbreitungsgebiet Nordrhein-Westfalen und Hessen hat der Kabelanbieter nicht annähernd so viele Geschäfte wie die Deutsche Telekom oder Vodafone.

Zudem will er Unitymedia mit einem neuen Markenauftritt und einer stärkeren Onlinepräsenz bekannter machen. "Die Marke selbst generiert bislang keine Nachfrage", sagte Schüler, schweigt sich zu Details der Offensive aber aus. Vorbild dürfte Telefónica mit der Marke o2 sein. Der Ableger der Spanier hat in Deutschland mit einer Kombination aus Markenstrategie, Milliardeninvestitionen und alternativen Tarifen Boden gut gemacht. Schüler war lange Marketing- und Vertriebschef bei Telefónica Deutschland.

 

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