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Erdbeben in Japan: Chiphersteller setzen Produktion aus

Der Branchenverband Bitkom sieht für Unternehmen jedoch keinen Grund zur Sorge



Das große Erdbeben in Japan ist vorüber, aber die Folgen werden sicherlich noch lange Zeit spürbar sein. Viele Industrie-Betriebe, darunter auch die japanischen Chiphersteller, mussten ihre Produktion herunterfahren. Dies geschieht in den meisten Betrieben weitaus automatisch. Werden auch nur kleinste Erschütterungen wahrgenommen, schalten sich die Maschinen in den Werken automatisch ab und die gesamte Produktion wird gestoppt.

Eine Wiederaufnahme der Fertigung in Japan steht in Anbetracht der derzeitigen Situation erst einmal nicht auf der Agenda. Die Fabriken müssen zunächst auf Schäden untersucht werden, da für die Herstellung von Chips quasi staubfreie Fabrikhallen notwendig sind. Untersuchungen dieser Art können Wochen und Monate dauern. Die Stromabschaltungen und die zerstörte Infrastruktur die große Teile Japans betreffen, werden diese Kontrollen aller Wahrscheinlichkeit nach noch zusätzlich hinauszögern.

Hohe Preisanstiege bei System-Komponenten erwartet

Nach Einschätzung von Branchenanalysten und Industrievertretern führen die Folgen des Bebens zu Lieferengpässen und Preiserhöhungen für Komponenten elektronischer Geräte wie Computer oder Mobiltelefone. "Das Beben wird in den nächsten Quartalen wohl ziemlich große Folgen für diese Industrie haben", so Len Jelinek, Marktbeobachter vom Analystenhaus IHS iSupply. Für eine wirklich realistische Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen ist es derzeit allerdings noch zu früh.

Japanische Chiphersteller zählen zu den wichtigsten Herstellern und Lieferanten. Sie machen ein Fünftel des Branchenumsatzes von insgesamt 300Â Milliarden Dollar auf der Welt aus. Auch Telekomausrüster sind auf Lieferungen aus Japan angewiesen. Das schwedische Unternehmen Ericsson sieht im ersten Quartal keine Auswirkungen des Erdbebens in Japan auf sein Geschäft. Effekte auf die Versorgung mit Chips und Komponenten würden jedoch nicht ausbleiben. Die Lieferketten sind gefährdet.

Im Angesicht der Katastrophe in Japan wird deutlich, wie maßgeblich unser Alltag in Deutschland auch von japanischen Geräten bestimmt wird. Neben Chips liefert die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auch Ersatzteile für Fahrzeuge, Fernseher, Kameras, Bildschirme und Flash-Speicher. Da der Strom beinah im ganzen Land reduziert wird, haben viele Unternehmen ihre Produktionen gestoppt, Lieferungen fallen aus. Das hat Folgen für Europa und den Rest der Welt. Momentan helfen Restbestände über den Lieferengpass hinweg. Da jedoch die weltweiten Firmen gewohnt sind, Bauteile und Komponenten in der Regel binnen 48Â Stunden geliefert zu bekommen, könnten die Folgen in absehbarer Zeit spürbar sein.

Bitkom: Deutschland drohen keine Lieferengpässe

Der Branchenverband Bitkom ist unterdessen anderer Meinung und sieht für Deutschland keine drohenden Lieferengpässe voraus. Nach den ersten Berichten der Hersteller hielten sich die direkten Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis auf die Produktion von Hightech-Produkten in Grenzen. "Die Unternehmen bemühen sich, die Fertigung wieder in Gang zu bringen oder sie verlagern Produktionskapazitäten in andere Werke", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer heute in Berlin.

Viele der japanischen Hersteller seien global aufgestellt und produzierten auch außerhalb des Landes in der Nähe ihrer Absatzmärkte. Noch unklar sei allerdings, wie sich die Schäden an der Infrastruktur, Stromknappheit oder gar ein nuklearer Super-GAU auswirken würden. Es sei jedoch auch hierzulande nicht auszuschließen, dass es bei einzelnen Herstellern zu Engpässen bei bestimmten Teilen kommen kann, so Scheer. "Im weltweiten Maßstab ist die Versorgung aber nicht gefährdet. Dies gilt, solange die Situation in Japan nicht weiter eskaliert." Scheer sprach den Menschen in Japan sein Mitgefühl aus, die durch die Katastrophe Familienangehörige, Freunde oder Kollegen verloren haben.

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